Bericht der Podiumsdiskussion bei der GEMA-BZD Stuttgart

Bild anklicken zum Vergrößern

Podiumsdiskussion bei der GEMA-BZD Stuttgart

Bild: Thomas Niedermüller

Fazit Aktionstag

Anlässlich des Aktionstages „Die GEMA im Dialog zum Welttag des geistigen Eigentums“ lud die BD Stuttgart ab 16 Uhr zu einer Podiumsdiskussion in das Haus der Geschichte ein. Mit Ausnahme von Siegfried Kauder (MdB, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V), der auf Grund der Sitzungswoche in Berlin seine Teilnahme auf dem Podium kurzfristig absagen musste, nahmen an der Podiumsdiskussion Barbara Gröger (Bezirksdirektorin der BD Stuttgart), Prof. Dr. Jur. Norbert P. Flechsig (Professor an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen mit Schwerpunkt Urheber- und Medienrecht), Christian Thomae (Piratenpartei Deutschland und Kandidat für die Bundestagswahl), Peter Seiler (Komponist und GEMA-Mitglied) und Hans-Ulrich Pohl (Komponist, Produzent und GEMA-Mitglied) teil. Die Moderation übernahm Dagmar Lange vom Deutschen Journalistenverband (2. Landesvorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes Baden-Württemberg).

Das Interesse an der Veranstaltung war durchaus zufriedenstellend. Am Tag der Veranstaltung durften wir knapp 50 Gäste begrüßen.

Die Thematik versprach eine spannende Diskussion, nicht zuletzt, da auf dem Podium nahezu alle Interessensgruppen vertreten waren. Barbara Gröger nutzte die Möglichkeit zur Begrüßung aller Anwesenden und stellte dabei in ihrer Position als Bezirksdirektorin einmal mehr klar, Musik hat nicht nur einen wirtschaftlichen Wert! Musik hat ebenso einen kulturellen Wert. Möchten wir die wichtigste Ressource unseres Landes effektiv nutzen, wird die Debatte über den Umgang mit Kulturgütern in Zeiten der Allgegenwärtigkeit von Musik zwingend erforderlich sein. Die GEMA wird diese Aufgabe wahrnehmen und weiterhin für die Kreativen unverzichtbar sein.
Nach kurzer Vorstellung und Abgabe eines Eingangsstatements aller Podiumsgäste leitete Dagmar Lange anschließend in die Diskussion ein und stellte den Divergenzcharakter geistiger Arbeit in seinen Ausprägungen zwischen Kultur und Kommerz zur Diskussion. Die Diskutanten kamen diesbezüglich schnell überein, dass die wirtschaftlichen Interessen des einzelnen Urhebers Vorrang zu den kulturellen Interessen der Gesellschaft haben sollten und vermeintliche Zieldifferenzen vor dem Hintergrund der Investitionsmotivation der Urheber in Form von „Leistung und Entlohnung“ nachhaltig ein kulturelles Dilemma vermeiden.
Die Meinungen unterschieden sich hingegen bei der Fragestellung, wie mit der steten Verfügbarkeit von Musik umzugehen sei. Prof. Norbert Flechsig bemerkt hierzu, die immaterielle Beschaffenheit von Musik sowie die technische Charakteristik des Internets, räumliche und zeitliche Distanzen zur Verbreitung von Musik zu verkürzen und letztendlich die Ubiquität der Musik zu prägen, hat das mediale Nutzungsverhalten der Gesellschaft verändert. Während Peter Seiler die Konfliktlösung des „zivilen Ungehorsams“ maßgeblich in der moralischen Aufklärung sucht, forderte der Pirat Christian Thomae dem veränderten Konsumverhalten mit neuen Strukturen für Vertrieb und Rechtewahrnehmung geistiger Werke zu begegnen. Als Beispiel führt Thomae Crowdfunding an, eine Finanzierungsform, bei der Nutzer und Urheber in direkte Verhandlung treten können. Hans-Ulrich Pohl warnt dieserhalb jedoch, die Verhandlungsposition des einzelnen Urhebers nicht zu schwächen und die Aushebelung des Urheberkollektivs als Errungenschaft eines technischen Fortschrittes darzustellen.
Diesbezüglich betonen die Mitglieder Pohl und Seiler – gleich dem Urheberrechtsexperten Prof. Flechsig – die enorme Bedeutung einer kollektiven Rechtewahrnehmung resp. „preisgünstigen“ Dienstleistung in Form eines effizienten Inkasso- und Kontrollapparates, wie sie die GEMA ihren Mitgliedern zur Verfügung stellt und für den einzelnen Urheber nicht finanzierbar wäre.
Letztlich kam auch der Vertreter der Piratenpartei nicht umhin, die Notwendigkeit der Rolle der GEMA anzuerkennen.
In zweieinhalb Stunden wurde ein Thema diskutiert, das für die anwesenden Teilnehmer von großer Relevanz ist, dessen Komplexität aber nicht in der kurzen Zeit allumfassend dargestellt werden kann. Somit nutzten im Anschluss an die Podiumsdiskussion der große Teil unserer Gäste die Möglichkeit des Kennenlernens, um bei einem kleinen Snack an das eine oder andere Thema anzuknüpfen.

Fazit der Podiumsteilnehmer und einiger Gäste war einvernehmlich, dass Veranstaltungen, welche diese Thematik platzieren, viel zu selten stattfinden! Wir blicken also auf eine gelungene Veranstaltung und einen schönen Abend zurück!

Text:
Maik Golinski und Barbara Gröger